Das Fortuna-Eck

Aktualisiert: 10. Mai

Meine Story im Buch „düsseldorf faces, düsseldorf stories“ von Ralf Schilberg


Die meisten Gäste im Fortuna-Eck waren Fortuna-Fans. Ein Vereinslokal, wie es der Name vermuten lässt, war es freilich nicht. Vielmehr gehörte das Fortuna-Eck zu der leider mittlerweile vom Aussterben bedrohten Spezies der Eckkneipen, in denen sich die Nachbarschaft auf ein Glas Bier traf. Das Fortuna-Eck liegt in Flingern, an der Fortunastraße, Ecke Hoffeldstraße. Keine privilegierte Wohnlage – zwei Bahnlinien befinden sich in unmittelbarer Nähe ebenso wie das Kraftwerk Flingern.


Aufmerksam wurde ich auf das Fortuna-Eck durch eine Online-Petition, die von einem Künstler initiiert wurde, der sein Atelier direkt gegenüber der Kneipe hatte und zu ihren regelmäßigen Besuchen gehörte. Anlass war, dass das Haus verkauft worden war und der neue Eigentümer den Pachtvertrag für das Fortuna-Eck gekündigt hatte. Dem Vernehmen nach hatte er vor, die Eckkneipe durch ein Bistro „für den gehobenen Geschmack“ zu ersetzen. Ein klassischer Fall eines Vorgangs, den man gemeinhin als „Gentrifizierung“ bezeichnet. Flingern ist vielleicht das Paradebeispiel dafür: früher ein Arbeiterviertel mit Industrie und Gewerbe; dann wurde das Viertel von Künstlern und der sogenannten alternativen Szene entwickelt, die dem Quartier ein „hippes Flair“ verpassten. Und dann kam das Geld, erwarb die Immobilien und sorgte dafür, dass sich heute Arbeiter und Künstler die Mieten dort kaum noch leisten können. Politisch dagegen anzugehen, ist oft ein Kampf gegen Windmühlenflügel. Aber zumindest ein Zeichen konnte man setzen: ich überraschte zunächst einmal die Pächterin des Fortuna-Ecks – eine wunderbare Frau namens Moni Frohburg – mit meinem Besuch in der Lokalität, um herauszubekommen, wie lange sie ihre Kneipe noch betreiben wolle und was sie bereit sei zu zahlen, und bestellte anschließend den neuen Eigentümer ins Rathaus, um mit ihm die entsprechenden Konditionen auszuhandeln. Hilfreich war, dass Moni nur noch ein Jahr bis zur Vollendung ihres 70. Lebensjahres Pächterin bleiben wollte, und dass der neue Eigentümer offensichtlich sehr beeindruckt war vom Erfolg der Online-Petition und einem riesigen Stapel von Postkarten, die ihm von den Freunden und Besuchern des Fortuna-Ecks geschickt worden waren. Der Deal war schnell in Sack und Tüchern und wurde anlässlich einer unvergesslichen Karnevalsparty Anfang Februar 2020 im Fortuna-Eck ausgiebig gefeiert. Was für ein Pech, dass dann Corona kam. So fiel das letzte Jahr des Fortuna-Ecks größtenteils dem Lockdown zum Opfer.


Jetzt ist das Fortuna-Eck Geschichte. Immerhin: Mit Moni Frohburg bin ich bis heute befreundet. Erst neulich waren wir gemeinsam essen und haben mit dem Gutschein bezahlt, den sie mir 2020 für die Rettung ihres Lokals geschenkt hatte. Gegessen haben wir in einem Restaurant der gehobenen Gastronomie, wie man es demnächst wohl auch an der Fortunastraße, Ecke Hoffeldstraße finden wird.


Der Artikel istTeil des Buches "düsseldorf faces, düsseldorf stories" von Ralf Schilberg.

Zu sehen waren die Bilder und Geschichten in der Galerie Noir Blanche, Rather Straße 34 in Düsseldorf.



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